„Heutzutage wird bei Interviews um jedes Wort gekämpft“

Im ersten Interview der SPORTPRESSE hat sich Johannes mit Marcus Bark unterhalten. Der gebürtige Dortmunder arbeitet als Freelancer und ist hauptsächlich für die SPORTSCHAU und den SPIEGEL tätig. Im Gespräch der beiden geht es unter anderem darum, wie es sich zur Zeit als freier Sportjournalist arbeitet. Außerdem redet Marcus Bark über bestimmte Berichterstattungsmuster im Sport und in welche (gefährliche) Richtung sich der Sportjournalismus aktuell hin entwickelt.

Die fünf Fakten zur Person:

  • Geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Dortmund
  • Journalistische Anfänge bei den Ruhr Nachrichten
  • Seit Juni 2003 als freier Journalist vor allem für die Sportschau (WDR) tätig
  • Seit 2011 Fußball-Nationalmannschafts-Reporter der Sportschau
  • Schreibt außerdem u.a. noch für den SPIEGEL (hauptsächlich über Borussia Dortmund)

Marcus, warum bist du Sportjournalist geworden?

Darüber habe ich mich vor Kurzem noch mit einem ehemaligen Mitschüler unterhalten. Das 25-jährige Jubiläum unseres Abiturs wurde verspätet nachgefeiert und durch einen Blick in die damalige Abi-Zeitschrift kam heraus, dass ich eine von nur drei Personen bin, deren damaliger Berufswunsch mit der aktuellen Tätigkeit übereinstimmt. Natürlich war dazu unter anderem meine Liebe zum Fußball ausschlaggebend. Das hat allerdings nichts mit diesem unsinnigen Klischee zu tun, dass es ein Fan hinter die Absperrung geschafft hat. Wenn ich Fußball in meiner Freizeit gucken möchte, kaufe ich mir eine Karte und nutze nicht meine Tätigkeit um ins Stadion zu kommen. Viel eher habe ich schon in meiner Schulzeit gerne Texte geschrieben. Deswegen konnte ich es mir damals schon gut vorstellen, später einmal über Fußball zu schreiben. Eine Tätigkeit beim Fernsehen oder Hörfunk stand für mich nie zur Debatte. Unter die Schreiber zu gehen, war in dieser Branche meine einzige Option.

Seit 2003 bist du dabei als Freelancer, sprich freier Journalist, tätig, wie kommt das?

Es hat sich zu diesem Zeitpunkt einfach so ergeben. Ich war vor meiner Tätigkeit bei der Sportschau an einem Projekt beteiligt, welches eine Art tägliches Newsportal aller 18 Bundesligisten sein sollte. Das ist, so muss man es im Nachhinein ganz deutlich sagen, voll gegen die Wand gefahren. Im Anschluss daran bin ich zur Sportschau gekommen und habe beim Launch von sport.ard.de, dem jetzigen Online-Angebot der Sportschau, mitgewirkt. Dass ich heute noch als Freelancer tätig bin, kommt vor allem dadurch, dass ich noch immer für den WDR arbeite. Hauptsächlich für das Online-Angebot der Sportschau, aber auch teilweise für das Fernsehen. Wäre ich nicht mehr in dieser Tätigkeit, hätte ich mich wahrscheinlich um eine Festanstellung bemüht. Vor allem deswegen, weil man bei den öffentlich-rechtlichen Medien als Freelancer angemessener bezahlt wird als bei Verlagen.

Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Man bekommt in dieser Branche mit, dass sich immer mehr junge Leute vor dem Einstieg als Freelancer, aufgrund unsicherer Perspektiven, drücken. Wie nimmst du das aktuell war und wie sah das zu Beginn deiner beruflichen Laufbahn aus?

Im Vergleich zu meinen Anfängen ist die Situation für freie Journalisten heute deutlich angespannter. Das hat vor allem damit zu tun, dass das Honorar bei vielen Verlagen sehr niedrig ist. Mittlerweile gibt es kaum mehr Zeitungen, bei denen man gutes Geld verdienen kann. Teilweise gab es das zu meinen Anfängen bereits schon. Hier standen Aufwand und Ertrag das ein oder andere Mal ebenfalls in keinem Verhältnis. Wenn dann aber drei oder vier Zeitungen deinen Text drucken ließen, sah es natürlich schon wieder besser aus. Dadurch, dass die Anzahl der verschiedenen Verlage heute immer mehr abnimmt, ist aber auch das immer weniger der Fall.

Angenommen, du würdest jetzt als junger Journalist vor der Entscheidung stehen, dich als Freelancer zu versuchen oder dich auf die Suche nach einer Festanstellung zu machen. Für was würdest du dich entscheiden?

Schwierig. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man auch heutzutage als Freelancer noch genug Geld verdienen kann. Das ist allerdings nicht mehr mit der Bequemlichkeit möglich, die ich damals an den Tag gelegt habe. Sprich von Anfang an zu sagen, dass man nur Texte schreibt. Es ist wichtig, auf mehreren Ebenen gut aufgestellt zu sein. Dazu zählen neben dem Schreiben von Beiträgen, Kenntnisse in der Video- und Tonproduktion, plus Fähigkeiten aufgenommenes Material bearbeiten und schneiden zu können. Durch diese Skills eröffnet man sich die Möglichkeit sein Material medienübergreifend anzubieten. Wenn man sich dessen bewusst ist, sehe ich durchaus gute Chancen als Freelancer Fuß zu fassen, auch heutzutage noch. Angenommen mein Sohn würde diesen Berufsweg gehen wollen, würde ich ihm das nicht ausreden. So pessimistisch wäre ich nicht.

Mal ganz abgesehen von deiner genauen Tätigkeit: Wenn du dir die Art und Weise, wie über Sport berichtet wird genauer anschaust, welche Auffälligkeiten machst du aktuell aus?

Es fällt auf, dass die Anzahl der Texte von Leuten, die gar nicht vor Ort im Stadion waren, in den vergangen Jahren rapide angestiegen ist. Dabei meine ich selbstverständlich nicht die aktuelle Situation während der Pandemie. Ich kann alle Kollegen verstehen, die zur Zeit ungern zu einem Champions-League-Spiel nach Italien fahren. Allerdings ist dieser Trend schon seit längerem zu erkennen und das ist aus meiner Sicht eine extrem schlechte Entwicklung. So etwas ärgert mich auch immer wieder. Vor allem, wenn man selbst den Aufwand und die Kosten für Anfahrt und Übernachtung auf sich nimmt. Außerdem bin ich der Meinung, dass man um das Spiel in Gänze bewerten zu können, live im Stadion gewesen sein muss. Ganz unabhängig davon finde ich, dass es im Fußball in Zukunft immer weiter in Richtung vereinseigene Berichterstattung gehen wird. Die Bundesligisten pushen ihre eigenen Kanäle, produzieren eigenes Club-TV, während vor allem das Fernsehen auf Bilder und Töne von den Spielern und Trainern angewiesen ist. Dadurch, dass es durch Corona aktuell noch schwieriger ist an die Akteure heranzukommen, wird diese Entwicklung natürlich nochmal zusätzlich beschleunigt. Auch deswegen glaube ich, dass man das nicht mehr so schnell eingefangen bekommt.

Aber bist du nicht der Meinung, dass führenden Medien, unter anderem die Sportschau, einen Gegenpol dazu bilden können, der in Zukunft dieser Entwicklung entgegenwirken kann?

Ehrlich gesagt nicht. Vor ein paar Jahren war es noch viel einfacher an Stimmen zu kommen. Da hat man sich an den Trainingsplatz gestellt und in der Regel auch von jedem, dem man eine Frage gestellt hat, eine Antwort bekommen. Das sieht jetzt anders aus, heutzutage wird bei Interviews um jedes Wort gekämpft. Dabei müssen alle letztlich froh sein, wenn sie überhaupt was kriegen. Allein deswegen, weil die Medienvertreter einfach auf Stimmen angewiesen sind, egal wie aussagekräftig die dann sind.

Wie erklärst du dir diese Entwicklung?

Daran sind definitiv nicht nur die Vereine Schuld, auch die Medien haben ihren Teil dazu beigetragen. Wenn Medienvertretern nur auf eine gute Schlagzeile aus sind, ist es klar, dass hier das Vertrauen von Spielern oder Trainern missbraucht wird. Das ist vor allem aus dem Grund schade, weil ein Großteil der Journalisten auch mit vertraulichen Informationen entsprechend umgehen kann. Grundsätzlich kann ich verstehen, dass es von Vereinsseite aus manchmal eine gewisse Skepsis gegenüber Journalisten gibt. Beide Seiten haben immerhin komplett verschiedene Grundinteressen. Trotzdem sehe ich keinen Grund, warum man nicht vernünftig miteinander arbeiten kann. Da ist auch in der Vergangenheit, meiner Meinung nach, kaum etwas passiert, was dies beeinträchtigen könnte. Ganz im Gegenteil. Ich finde, dass die Vereine bei der Berichterstattung oft noch gut wegkommen. Vor allem deswegen, weil sie es sehr gut verstehen in kritischen Situationen dicht zu halten.  Wenn man zusätzlich noch bedenkt, dass es schlichtweg Aufgabe der Medien ist, stets kritisch und differenziert zu berichten, sehe ich persönlich keinen Grund, warum beide Seiten aktuell nicht vernünftig miteinander arbeiten können.

So geht´s weiter:

Am Montag, den 9. November um 15 Uhr kommt die erste Episode des Podcasts der SPORTPRESSE online. Diese wird auf Apple Podcasts, Spotify und natürlich hier auf dieser Seite abrufbar sein. Alle weitere Informationen folgen in Kürze unter „sportpresse_pod“ auf Instagram und Twitter!

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